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wo fing das an und wann?

klassentreffen…

es ist die klinik, die dich fertig macht, ja? fragt meine liebste… ja, das auch… unter anderem. das “andere” kann ich – wie üblich – nicht richtig beschreiben. aber jetzt fällt mir was ein: da ist ein klassentreffen. ich frage mich seit meine mutter auf ihren klassentreffen war, wie das wohl sein möge… und habe immer geträumt von klassentreffen. vor allem, als ich noch in diesen unsäglichen schulen und miesen klassen”kollektiven” vor mich hindämmerte, versuchte zu überleben und mir eine zukunft als schöne, starke frau erträumte. als ich noch glaubte, ich würde lehrerin werden (die einzige möglichkeit, die ich zu ddr-zeiten sah, um kunst und literatur zu studieren) und dachte, ich würde in historischen klamotten aus den 20er bis 60er jahren mit einer original alten ledertasche in die schule spazieren und dort den kindern beibringen, daß die gedanken frei seien und kunst schon immer subversiv, wenn sie gut war. als ich noch glaubte, aus mir würde eine starke und glückliche frau, meinetwegen künstlerin, auf jeden fall eine, die ihr potential kennt und ausschöpft.
daß andere mein potential sehen konnten, wurde mir auf meinem abi-abschluß-ball bewußt: ich kam – wie üblich oder war es mein letzter aufschrei in dieser stadt? – zu spät, ich mußte mein zeugnis nachher irgendwann tagsüber in der schule abholen, ich hatte mich schön wie nie gemacht und so viele lehrerinnen sagten mir, sie wollten später von mir hören… später, wenn etwas aus mir geworden wäre. das sagten sie, als ich ihnen erzählte, daß ich ans theater ginge und dort in der requisite arbeiten wolle. den job hatte ich schon in der tasche und diese lehrerinnen meinten, daß das zu klein für mich sei… für den anfang vielleicht ganz gut, aber…
heute ist dieser job das highlight in meinem leben, dem ich noch immer nachtrauere und wovon ich träume wie von dem haus meiner kindheit. dort gegangen zu sein ist noch immer der schlimmste fehler, an den ich mich entsinnen kann (und in schlechten zeiten kann ich mich an weiß-göttin-viele fehler erinnern!) und dort wieder hinzukommen eines meiner geliebten, großen und irgendwie unerreichbar scheinenden ziele.

und dann kamen keine klassentreffen. nicht, daß sie uns nicht hätten finden können, meine zwillingsschwester (die allgemein beliebter war als ich) und mich: unsere mutter arbeitete noch immer als ärztin in der kleinen stadt, über sie wären wir jederzeit erreichbar gewesen: es gab keine klassentreffen. weder von den schulen, die ich mochte, noch von den anderen.

und jetzt gibt es eins: im September. gerade von der schule, die ich noch so mochte: an der grundschule von der ersten klasse bis zur 5., wo wir dann umgeschult werden mußte, hab ich mich wohlgefühlt. wir hatten einen guten stand: erstens mal waren wir gut, das zählte an dieser schule noch etwas und dann hatten wir einen sozialen status. der wurde sicherlich hauptsächlich durch meine schwester genährt, die schon immer diplomatischer war als ich und mehr sozialkompetenz bewies, aber in dieser klasse war ich auch beliebt, ich war halt nur nicht ganz so gesellig wie sie. aber ich hatte zum beispiel freundinnen und eine beste freundin – das ging dann später überhaupt nicht mehr. ob nicht mit mir oder nicht mit den leuten in der neuen klasse, weiß ich nicht.
und genau von dieser schule, an die ich mich die restlichen 5 jahre meiner POS-zeit zurücksehnte, gibt es ein klassentreffen. und ich kann nicht hingehen!
alles, was ich denen zeigen könnte wäre: wenn eine von großem träumt, fällt sie auf die fresse. frauen, die künstlerinnen werden wollen, scheitern an ihrer entscheidungsunfähigkeit. und lesben haben nicht nur wechselnde partnerinnen und leben – freiwillig oder unfreiwillig “promisk” – sie können auch mit ihrer art zu lieben nicht auf dauer glücklich werden, immer nur für ausschnitte ihres lebens.

die aussage, die mein erscheinen dort zur folge hätte wäre: träumerinnen, lesben, künstlerinnen und frauen, die sich zu was größerem oder höheren berufen fühlen, scheitern bitterlich und enden als depressive sozialhilfe-empfängerinnen und auf fraglichem niveau…

wie könnte ich meinen mitschüler_innen da sagen, daß ich sie 5 jahre lang in so guter erinnerung hatte, daß ich mich so lange immer nach ihnen zurückgesehnt habe und daß ich hinterher noch immer glücklich war über jeden klatsch und tratsch, den ich von ihnen hörte? wie könnte ich meiner besten freundin aus der zeit meine ängste und meine trauer mitteilen, die ich um sie hatte, als meine mutter glaubte, sie könne mit uns nach Leipzig ziehen? ich habe damals ein großes gedöns gemacht um ein armband oder so, was sie unbedingt tragen solle…
(und wie wäre mein leben verlaufen, wenn wir damals wirklich nach Leipzig gegangen wären? die wohnung war in Connewitz, also wirklich allerallerbestes Connewitz!)
wie könnte ich denen beschreiben, welche trauer mich umgibt, wenn ich an einen unserer jungs denke, Mike: er war furchtbar lieb, nicht besonders helle vielleicht, aber an sich ein grundguter kerl und er konnte kraft haben, aber die hat er nie eingesetzt. in unserer schulzeit war er einfach nur nicht besonders gut in der schule, aber sonst nicht weiter behindert oder so. irgendwas war an seinem bein nicht in ordnung und das muß mit der zeit schlimmer geworden sein… jedenfalls ließen ihn seine eltern deshalb operieren. und dabei muß etwas ziemlich schief gelaufen sein, jedenfalls hatten sie danach einen geistig behinderten Mike zuhause und machten sich sorgen, wer sich um ihn kümmern würde, wenn sie nicht mehr sind… er ist inzwischen gestorben. ein lebhafter, liebenswürdiger kerl, der nicht doll in der schule war, aber ein bißchen in meine schwester verliebt…
wie gerne würde ich zu seinem gedächtnis irgendwas machen zu so einem klassentreffen. vielleicht einfach nur sagen, daß ich ihn auch furchtbar mochte…

aber ich kann da nicht hin… nicht mal mehr, wenn meine schwester auf die schöne idee käme, wir würden dort erzählen, ich hätte die post-it’s erfunden

(meine schwester kommt nicht auf solche ideen… aber ich hoffe, sie versucht irgendwie, meinen “ruf” – was immer das sein könnte – unbeschadet zu lassen, wenn sie hingeht…)

betteln oder zaubern

hat mich doch eben so ein kleiner junge vor der tür des örtlichen dealers erwischt: ob ich nicht mal eben 20 cent hätte. bei dem jungen: eine etwas größerer junge, ebenso mit fahrrad. meine hand schon im korb, frag ich: wofür? und der kleine: für einen flummi! und der andere junge sagt, er hätte schon 10 flummis. er, der andere junge, auch. ich frage den kleinen: “hast du wirklich schon 10 flummis?”. “ja!” sagt er. “wo sind denn deine flummis?” der andere junge zeigt mir und dem dealer detailliert seine flummis in einer plastetüte… “zuhause.” “der hat seine flummis zuhause!” bestätigt der größere junge. ich nehme meine hand vom portemonnaie weg und sage zu dem kleinen, daß er nachhause gehen soll und seine flummis holen soll.

“wer es nicht nötig hat, sollte nicht betteln!” sage ich. und frage mich hinterher: wie entsteht bedürftigkeit? wäre ihm mehr geholfen gewesen, wenn ich ihm einen flummi gekauft hätte? oder meinen flummi runtergebracht hätte?
aus den kinderbüchern aus zeiten meiner mutter kindheit weiß ich noch, daß betteln gänzlich verboten ist. ich habe dieses verbot um “nötighaben” eingeschränkt. ist nötighaben dasselbe wie bedürftigkeit? ist betteln, bitten, wenn du etwas innerhalb deiner kreise nicht bekommst, generell erlaubt?

wieso werde ich eigentlich mit derart generellen fragen zum thema kindheit, die ich per kinderlosigkeit eigentlich auszuschalten versucht habe, konfrontiert? werde ich mich mein leben lang in diesen kleinen kindergesichtern spiegeln?

uploads and updates

pastell: wolkenwenn eine von euch meinen flickr-account nicht beobachtet: ich lade ab und an bilderchen hoch. aktuell bin ich dabei, da meine sommer-reise vom letzten jahr zu verarbeiten…

doch nicht mit der schaufel draufschlagen

old lady kissnachrichten im dönerladen… da hab ich sie zuerst gesehen. und gehört, wenn ich mich ganz doll angestrengt habe… da sind grad weltmeisterschaften, in der straße knallt und explodiert es ständig, daß die katzen verstört von dannen jagen, G8 und G20 treffen sich auch (sind schöne demonstrationen da, ja, bitte? plakatiert bitte irgendwer ein “nettonaturalprodukt statt bruttosozialprodukt”, ja?) und in südfrankreich ersaufen sie – und mir war heute nichts wichtiger als das sterbehilfeurteil…

was für eine erleichterung für mich (und meine schwester, vermute ich). meine mutter ist ziemlich für sterbehilfe und noch dazu für eine sehr aktive variante. diese radikalität bekam einen kleinen knick, als sie mithelfen mußte, einen großen starken schwarzen hund, der nichts weiter hatte, als einen riesigen blöden tumor an der schnauze, in die andere welt zu befördern und den widerstand des tieres so stark zwischen ihren eigenen händen spürte… zwei wochen später starb meine großmutter, ihre mutter… das eine hat an sich nichts mit dem anderen zu tun, wird aber für alle beteiligten irgendwie immer zusammenhängen. und wenn es nur das bedauern ist, daß es nur zwei wochen lang die sorge nicht mehr gab, der große starke hund könnte die kleine alte dame umhauen…

für mich aber ist heute ein stein gefallen. ein riesiger stein, über den ich nicht nachdenken mochte und über dessen folge-steine ich auch immer noch nicht nachdenken mag…: aber ich muß wenigstens nicht mit der schippe draufhauen (wie meine mutter immer so schön sagt.). ich kann die nahrungszufuhr stoppen. und ich weiß, daß sie weiß, daß alte leute das schon immer so getan haben: wenn sie nicht mehr wollten, haben sie einfach aufgehört, zu essen. und ich weiß, daß sie weiß, daß ich das weiß. das ist was wert.

und ich werde mir langsam mal gedanken über meine eigene patientinnenverfügung machen…

Achtung! ScribeFire! wer oder was ist zemanta?

*augenbrauenverschieb* nach meinem letzten blog-eintrag via ScribeFire, einem kleinen praktischen toolchen für firefox, von wo ich auch direkt im browser einen blogeintrag schreiben kann hatte ich soeben ein kleines unsichtbares bildchen in meinem eintrag, was zu einer website “zemanta” führte…

ok, ich habe soeben in den einstellungen von scribefire ein knöpfchen gefunden, womit ich “automatic… iversible pixel for statistic gathering” ausschalten konnte… *phew!*
kinderchen. wenn es wenigstens auf eure webadresse laufen würde! DANN könnte ich dem noch ein bissel vertrauen abgewinnen…
aber ScribeFire ist von nun an unter verschärfter beobachtung hier… ich liebe das tool zu sehr um es gleich abzuschießen. aber eigentlich wäre es das gewesen, was ich hätte tun sollen!
LEUTE! ihr hängt in meinem browser! seid a bissl vorsichtig mit meinen daten, ja!?!

lindenblühen & Textile Art Berlin

meine linde blüht! “meine” bedeutet in dem fall: die große, wunderschöne linde, die vor meiner haustür und meinen fenstern steht. und die hat mich die jahre zuvor schon mit ihrem grün und ihrem duft betört, der in mein französisches zimmer strömte, wo beziehungsweise wenn ich meine französischen balkontüren offen hatte…

das wunder, was mich jetzt so reißt, ist: ich habe schon seit tagen die kleinen grünen dicken knubbelchen an ihr bewundert. (ich finde ja bäume im frühjahr sooo sexy!) und mich gefragt, wann sie blühen wird. und jetzt habe ich es gerochen!!! ich weiß, daß die kleinen knubbel vorhin beim blumengießen noch nicht offen waren. und hab grad etwas gerochen, was mich anmachte, was mich erinnerte, was mich an die linde denken ließ. und hab extra mit einer taschenlampe rausgeleuchtet, ins dunkelgrüne geäst: die knubbelchen sind aufgeplatzt, meine linde blüht!
was mich daran so fasziniert ist einerseits dieses signalartige und daß ich dieses signal bemerkt habe! ich habe nicht irgendwann aus dem fenster gesehen und bemerkt, daß sie nun endlich blüht, nein, wie eine fanfare hat sie ihr blühen per duft bekanntgegeben und dieses signal ist bei mir angekommen! bei einer frau, die tagelang, wenn nicht wochenlang, das haus nicht verläßt… aber so fern der natur bin ich noch nicht, meine hexenadern sorgen noch dafür, daß ich den kontakt nicht ganz verliere… ist das nicht schön?

am wochenende will ich zur Textile Art, die hat mich im letzten jahr schon so fasziniert, wenn ich auch am zweiten tag nicht hingehen konnte, weil ich im zauber einer frau gefangen war, die jetzt mit mir diese lindenblütenduftdurchwehte wohnung teilt. (und, ja gut, weil ich nachher noch beim motzstraßenfest war und tanzen und ich auch  nicht mehr die jüngste bin und das letzte bier nicht so gut vertrug.) dafür (es gibt keine begehenswerten feste diesmal!) hoffe ich doch, daß ich am kommenden wochenende beide tage und sämtliche angebote, inspirationen und trödel und so genießen kann…

Links (alle in neuem fenster):

vielleicht treffen wir uns…

viele menschen brauchen mehr menschen als einen…

jaja, ich war grad auf ‘ner familienfeier… aber um den tratsch und männer und frauen geht’s mir gar nicht, wenn ich hier mal eine meiner lieblingsbloggerinnen, die ich seit jahren nun schon immer wieder gerne lese, anlinken möchte:
sehkrank im matrosenpulli: viele männer brauchen viele frauen (bitte kommentare mitlesen!)

bei frauen sieht das ungenau betrachtet ja ganz ganz anders aus, aber ich finde, eigentlich geht es den frauen genauso: viele frauen brauchen viele männer oder viele frauen. oder jedenfalls mehr als eine/n…

die feier war ansonsten sehr schön und tratsch und klatsch liebe ich ja eigentlich, auch wenn ich so selten dazu komme ;-) und vielleicht folgen bilder (in flickr und dann auch hier) und vielleicht folgen folge-besuche… mal sehen…